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Im Licht der langen Tage

Details

Ein Bericht von Ursula Komboeck

Segeln im Schärengarten vor Stockholm

Segeln in Schweden Schiff : Bavaria 35, im August 2010, ca. 200 sm.

Unaufhörlich prasselt der Regen auf Oberdeck und Luken, überall stehen Pfützen und unsere Reisetaschen wirken schon etwas aufgeweicht.

Na super! Die Mannschaft sitzt, nach langem Warten auf die Schiffsübergabe, leicht durchnässt, fröstelnd und verunsichert im Salon und schaut erwartungsvoll auf den Skipper.

War es vielleicht doch keine so gute Idee, dieses Jahr anstatt an die geliebte und bewährte kroatische Adriaküste in den Norden zu fahren? Auf den Bildern sah er wunderschön und einladend aus, der Stockholmer Schärengarten. Aber schon bei den Vorbereitungen kamen uns so manche Zweifel ob der Fülle an Detailkarten, welche tausende Inselchen, enge Passagen und Untiefen zeigten.

Und jetzt noch dieses Wetter ....

Eine heiße Tasse Ingwertee, Mozartkugeln aus der Notfallapotheke und karibischer Rum - in alter österreichischer Barawitzka-Tradition wird ein ordentlicher Schluck Rasmus geopfert – lassen die Stimmung wieder steigen. Als dann die österreichische Crew-Flagge fröhlich am Achterstag flattert und unsere Sachen gut verstaut in den Schapps liegen, grüßt uns die untergehende Sonne freundlich mit ihren letzten Strahlen. Willkommen in Schweden.

2. Tag: Saltsjö-Duvnäs – Napoleonviken – Ornö / Kåringsholmen 21,6 sm

Am nächsten Morgen geht es gut in Ölzeug verpackt endlich los, wir wollen raus in die Schärenwelt. Aber da heißt es erst einmal, sehr genau durch die Engstelle Baggensstäket Richtung Saltsjöbaden zu navigieren. Natürlich kommt genau an der engsten und seichtesten Stelle die Fähre entgegen. Wir passieren sie mit angehaltenem Atem und der Respekt vor dem vor uns liegenden Revier nimmt noch ein wenig zu.

NapolenonvikenVor dem alten Seebad von Saltsjöbaden begegnen wir einer Gruppe eleganter Schärenkreuzer, unsere Fotoapparate klicken, die sichtlich stolzen Eigner winken uns fröhlich zu und wir beginnen uns langsam zu entspannen. Welch eine Kulisse!

Im Baggensfjärden setzen auch wir endlich Segel und unsere Bavaria 35 gleitet beinahe lautlos durch eine Bilderbuchlandschaft. Der erste Manöverschluck schmeckt köstlich und ein zufriedenes Grinsen breitet sich auf allen Gesichtern aus. In Napoleonviken, kurzweilige 11 sm vom Ausgangshafen entfernt, fällt zum ersten Mal der Anker. Nach einem kräftigen Mittagessen wird das Dinghi aufgepumpt und wir erforschen paddelnd die verzweigte Bucht. Bis zu 100 Yachten sollen an schönen Sommertagen hier festmachen. Heute zählen wir ganze sechs, die Hauptsaison ist offensichtlich vorbei. Dichter Wald unterbrochen von riesigen Steinen reicht bis zu den Ufern und spiegelt sich im klaren und ruhigen Wasser, es durftet nach Pilzen, Waldboden und Moos. Wir wähnen uns im Hochgebirge an einem Bergsee.

JungrufjärdeAbenteuerlust und Neugier erwachen, die Crew will weiter. Die Crew, das sind mein Skipper-Ehemann Michael, unser Enkelsohn Alexander, Thomas unser Freund aus Segelschultagen und ich. Noch etwa 15 sm wollen wir heute segeln, aber es bleibt ja lange hell. Herrliches Segelwetter! Mit einer sanfte Brise aus Ost fahren wir auf halbem Wind gemütlich Richtung Hauptfahrwasser. Am Jungfrufjärden schläft der Wind langsam ein und wir dümpeln träge und zufrieden im Sonnenschein dahin, bis uns Thomas auf eine dunkle Wand im Osten aufmerksam macht. Sieht nach Regenwolken aus; schnell Motor an und Segel bergen, wir wollen noch trocken zum Liegeplatz kommen.

Die Wand schiebt sich mit erstaunlicher Geschwindigkeit näher, wir richten unser Ölzeug, noch 5 Meilen. Vorerst konzentrieren wir uns auf die nächste enge Passage, noch haben wir uns nicht an die Fahrwassertonnen gewöhnt, und alle blicken gespannt abwechselnd auf Plotter, Echolot, Wasser und Felsen. Da stülpt sich wie eine Decke dichter Seenebel über unser Schiff und wir sehen gerade noch 100 Meter. Schnell ein Blick in die Karte, Kurs in die nächste Bucht, wir suchen Schutz und versuchen zu ankern, leider erfolglos. Doch eine freundliche schwedische Familie lässt uns vor ihrem Haus an einer Boje festmachen, dann noch die Landleine ausbringen und das Abenteuer ist überstanden. Nach einem Topf dampfender Spaghetti genießen wir bei einer Flasche italienischem Wein das schaurig-schöne Schauspiel und ich erzähle Geschichten von Waldelfen und Trollen, welche hier zu Hause sind. Fast meint man, sie vorbeihuschen zu sehen.

3. Tag: Ornö – Utö – Ranö / Ranöhamn 23,9 sm

UtöNebelschwaden steigen langsam aus dem Meer, die Sonne trocknet das Cockpit und lässt die Landschaft glitzern als wäre sie mit Millionen Kristallen übersäht. Die Crew ist ausgeschlafen und bester Laune. Übermütig hüpfe ich ins Wasser, ganz schön kalt aber auch herrlich erfrischend. Langsam und viel vorsichtiger folgen der Rest der Mannschaft. Gestärkt von einem deftigen Frühstück mit Spiegelei und Speck, winken wir der freundlichen Familie noch einmal zu und setzen Segel Richtung Süden. Heute wollen wir nach Rånö, wieder etwa 25 Meilen. Sanfter Südost beschert uns Schärensegeln vom feinsten. Als wir die Windmühle von Utö querab haben, entscheiden wir uns spontan den Hafen anzulaufen. Es ist einfach zu schön, um vorbeizusegeln. Ein reizender kleiner Urlaubsort lädt zu Rast und Spaziergang. Dann kaufen wir noch Brot und eingelegten Hering. Mittlerweile hat der Wind nach Südwest gedreht und merklich aufgefrischt.


Wir kreuzen die restliche Strecke bis zum Naturhafen von Rånöhamn. Zum ersten Mal legen wir uns, wie in diesen Gewässern üblich, mit Heckanker an einen der zahlreichen Felsliegeplätze. Die geringe Wassertiefe und die nahen Felsen führen zu gesteigerter Nervosität der gesamten Mannschaft und der erste Versuch klappt noch nicht ganz. Aber die hilfreichen Schweden zeigen uns die passende Stelle, warten auf die Landleine und kurz darauf liegen wir sicher vertäut zwischen zwei schwedischen Familien und freuen uns über den freundlichen Empfang. Während Alexander auf den Felsen herumklettert, Thomas eine kleine Wanderung unternimmt und Michael sich mit den Nachbarn unterhält, bereite ich das Abendessen. Wir sind eingetaucht in das beschauliche Schärenleben, zufrieden und glücklich mit uns und der Welt.

   
   
   

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