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Mit Taktik durchs Piratengebiet

Details

Ein Erfahrungsbericht der „Sleipnir2“-Crew Evi Strahser & Wolfgang Wirtl

Sie berichten von ihrer Fahrt 2010 durch die Piratengebiete im Arabischen Meer und im Golf von Aden.

Treibstoff wird geliefertNeben den drei Teilen von „Fluch der Karibik“ gibt es zahlreiche abenteuerliche, meist historische Verfilmungen, die das Thema der Seeräuberei zum Inhalt haben. Die Piraterie der Gegenwart ist für die Langstreckensegler heute ein durchaus weniger romantisches Problem der Törnplanung, das in verschiedenen Segelgebieten einkalkuliert werden muss.

Wie hoch das tatsächliche Risiko einzuschätzen ist, von quasi modernen Seeräubern attackiert zu werden, wird häufig leidenschaftlich diskutiert und von Seglern wie auch weniger Betroffenen sehr unterschiedlich bewertet - primär ist es aber natürlich eine Frage des Reviers.

Der Golf von Aden und die somalische Küste Ostafrikas sind jene Gebiete, die diesbezüglich in den Medien am stärksten repräsentiert sind und auch in der internationalen Politik eine gesteigerte Aufmerksamkeit bekommen haben.

DieTteilnehmer des MF Konvois 2010 Wir wollen uns in diesem Artikel auf das Piratenproblem im Golf von Aden und dem Roten Meer beschränken, weil wir diesen Seeraum im Februar und März 2010 selbst durchsegelt haben, die Emotionen und Auseinandersetzung mit dem Reizthema am eigenen Leib erfahren haben und die Taktiken sowie Hilfestellungen für eine Durchfahrt der Risikozonen aus erster Hand erlebt haben.

Infos zum Thema „Piraterie“

Der wichtigste nautische Revierführer für dieses Gebiet stellt aus unserer Sicht die jeweilige aktuellste Ausgabe des Red Sea Pilots dar - inklusive Statistik und Bewertung der Wahrscheinlichkeit einer Attacke auf ein Segelschiff im Golf von Aden.

Die umfangreichste Information zum Thema Piraterie gibt es auf www.noonsite.com. Der Link Noonsite Piracy Pages führt zu Statistiken, der Beschreibung aller erfassten Übergriffe und einer Vielzahl von Ratschlägen und Anleitungen zum Verhalten in den betroffenen Gebieten.

Anfahrt ins Piratengebiet

Bryce Silver Fern mit Maschinengewehr AttrappeVon einer direkten Fahrt von den Malediven in den Oman (Salalah ist üblicherweise der Sammelpunkt von Yachten, bevor es in den Golf von Aden weitergeht) wird von mehreren Staaten offiziell abgeraten, da sich die Mutterschiffe der Somalis weit in das Arabische Meer nahe der Schifffahrtsrouten verlagert haben.

Die meisten Boote segeln daher auf dieser Strecke ein sogenanntes Dog Leg, wählen also einen nördlicheren Kurs als die Rhumb Line (direkte Linie), um dann wesentlich später Salalah anzusteuern. In jeden Fall wird ein Abstand von 600 nm zur somalischen Küste empfohlen bzw. sich nicht westlicher als 060° Ost zu halten.

Funknetz als Hilfestellung

In der Saison 2010 wird noch in Thailand das sogenannte IO (Indian Ocean) - Funknetz ins Leben gerufen, um die Fahrtensegler mit Wetterberichten, Positionsmeldungen und nützlichen Informationen, beispielsweise über die lokalen Belange in den verschiedenen Einklarierungshäfen, zu versorgen.

harmlose FischerFür den heiklen Streckenabschnitt von den Malediven bis zum Eingang in das Rote Meer werden die Positionsmeldungen verschlüsselt durchgegeben und vom Net-Controller (hoffentlich) in die richtige tatsächliche Position umgerechnet.

Es gibt verschiedene (nach Farben benannte) Gruppen zu je drei fiktiven Wegpunkten, die wiederum nach Buchstaben des nautischen Alphabets bezeichnet sind. Die Yacht gibt Distanz und Peilung zu einem der drei fiktiven Wegpunkte als Zahlenreihe - ohne weitere Angaben (Seemeilen, Wegpunkt, Grad) - durch, wobei zur Peilung 200 Grad als fixe Größe addiert werden.

„Sleipnir2“ meldet z.B. am 9. Februar „451 Kilo 212“, befindet sich also 451 Seemeilen mit einer Peilung von 012° vom Wegpunkt „Kilo“ (Gruppe Grün) entfernt. Unsere reale Position ist allerdings ca. 530 Seemeilen vor Salalah mit einem Zielkurs von 300°.

Manchen Cruisern erscheint das System weit überzogen oder sogar lächerlich, und auch wir sind uns nicht ganz sicher, was wir davon halten sollen.

Abwehrtaktik

Auf dem Abschnitt in den Oman werden von einigen Seglern auch erstmals die empfohlenen Antifouling Lines ausgebracht. Etwa 100m lange und zumindest 2mm dicke Leinen (auch Angelleinen) werden am Heck in der Hoffnung nachgezogen, dass sich die Propeller etwaiger Angreifer darin verfangen.

letzte Vorbereitung vor der Abfahrt in SalalahEin amerikanischer Single Hander will diese Methode bereits erfolgreich angewandt haben. Wie viele andere Cruiser erheben wir starke Zweifel an der Wirksamkeit dieser Abwehrtaktik: Die meisten der sogenannten Skiffs (Speedboote) queren nicht das Kielwasser des „Opfers“, sondern nähern sich zwar von achtern, aber von einer Seite in einem spitzen Winkel oder auf Kollisionskurs.

Zudem sind die Boote der Piraten in der Regel mit zwei starken Außenbordern ausgerüstet, wodurch es unwahrscheinlich ist, dass die Leine beide Propeller außer Kraft setzt.

Ob es sich bei einem sich nähernden Skiff um Piraten oder harmlose Fischer handelt, ist leider schwer zu unterscheiden. Anzeichen für Seeräuber wären Leitern, Fässer für zusätzlichen Treibstoff und unverhältnismäßig starke Motorisierung (zwei Außenbordmotoren). Bis solche Hinweise erkannt werden, ist das Schnellboot allerdings vermutlich längst zu nahe.

Konvois als Schutzmaßnahme

Salalah im Oman ist der übliche Ausgangspunkt für die Fahrt durch die mittlerweile gefährlichste Wasserstraße der Welt und somit schlüssigerweise auch Start der Konvois, die zum Schutz der Yachties jedes Jahr organisiert werden.

Sleipnir 2 im KonvoiIn der übervollen Ankerzone für Yachten geht die „Sleipnir2“ längsseits an eine Dhau aus Bangladesch. Die Besatzung, die über Monate auf See lebt, wurde von Piraten entführt und vor kurzem freigelassen - im Hafen von Salalah dichten sie derzeit die Einschusslöcher an ihrem Boot ab...

In der Saison 2010 bieten sich den Blauwasserseglern zwei große Konvois: der MF (Mid-February) - Konvoi, dem sich auch die „Sleipnir2“-Crew anschließt, und ein von Niederländern organisierter Konvoi, der etwas später (am 4. März) aufbricht. Beide Unternehmen kämpfen in Vorbereitung und Durchführung mit ähnlichen Schwierigkeiten, wodurch wir uns hier lediglich auf „unseren“ MF-Konvoi konzentrieren können.

Eine Minderheit von Cruisern fährt „privat“ in kleinen Gruppen von zwei bis maximal sieben Yachten und äußert sich in Aden durchwegs positiv über den Ablauf der Zitterstrecke - Einzelfahrer gab es in der Saison 2010 (Stand Mitte März) unseres Wissens nach keine...

Ob die Teilnahme an einem Konvoi die Sicherheit im Golf von Aden erhöht, muss jeder selbst abschätzen. Von den meisten wird jedenfalls das „Wir-Gefühl“ der Gruppe als vertrauenserweckend erlebt, zudem ermöglicht die Flotte bei kleineren oder auch anspruchsvolleren Problemen eine effizientere Hilfestellung innerhalb der Yachtgemeinschaft.

Im Falle einer Attacke haben die anderen Schiffe im Konvoi bessere Möglichkeiten, Notsignale zu senden als das betroffene Boot selbst. Dass ein Aggressor die große Gruppe im Zweifelsfall meidet und sich eher einem Einzelfahrer zuwendet, ist zumindest schlüssig - wenn auch nicht erwiesen. 

Der Mid-February Convoy wird von Tom, einem pensionierten Mitglied der Royal Air Force, über mehrere Wochen akribisch organisiert, und der militärische Charakter des Unternehmens ist offensichtlich. Alle an der Teilnahme interessierten Fahrtensegler werden frühzeitig mit Informationen über den Ablauf, die Gruppenformationen und die verschiedensten Richtlinien versorgt. Am Tag vor dem Auslaufen findet ein umfangreiches Briefing im Oasis Club, einer westlichen Enklave in Salalah, statt.

   
   
   

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