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Albanien: Die Wiederkehr

Ein Bericht der SY Pangäa

Der Reisebericht „Albanien: Eine Reise mit Vorurteilen“ aus dem Jahr 2009 endete mit dem Satz: „Albanien hingegen haben wir in bester Erinnerung behalten und in unseren zukünftigen Reiseplänen wird dieses Land wieder einmal Ziel sein, das wir ansteuern werden“.

Wir sind wieder gekommen. Diesmal während unseres Sommertörns 2010, aber direkt aus Kroatien.

Das Ausklarieren mit unserem Segelschiff PANGÄA aus Kroatien erfolgte in Cavtat. Schon vor einigen Tagen hatte uns der Wind verlassen und so  fuhren wir mit Maschinenkraft Kurs Südost in eine mondlose, aber sternenklare Nacht. Da wir aber diesmal Montenegro nicht anlaufen wollten, fuhren wir unter Einhaltung eines gehörigen Abstandes parallel zum Festland.

Gegen sieben Uhr morgens hatten wir den Grenzfluss Bojana querab und somit Albanisches Hoheitsgebiet erreicht. Kurze Zeit später tauchten wir in eine dichte Nebelbank ein.

Die Sicht war teilweise sehr eingeschränkt und das Radargerät in Bereitschaft. Immer öfter bemerkten wir vor uns Treibholz, Laub und Geäst, das der Fluss in das Meer befördert. Als sich schließlich der Nebel hob und der Sonne Platz machte, hatten wir nur mehr zehn Seemeilen bis zu der kleinen Hafenstadt Shengjin zurückzulegen.

Nach Anruf auf Kanal 71 beim Hafenkapitän legten wir längsseits an der Frachtermole an und helfende Hände an Land bedienten die Festmacherleinen.

Der Kapitän, ein älterer Herr, begrüßte uns mit Handschlag und akzeptierte auch unsere bereits vorgedruckten Crewlisten in 3-facher Ausfertigung.

Die Kosten für das Einklarieren in Albanien schlugen sich mit 40,- Euro zu Buche. Dafür erhielten wir einen Zahlungsbeleg. In Albanien bekommt man für die Weiterreise einen Begleitschein ausgestellt, in dem Schiffstyp, Nationalität, Brutto- und Nettotonnage sowie das nächste angesteuerte Ziel enthalten ist. Wir haben daher den Eindruck, dass wir als Großschiff behandelt werden.

Um den Blickbereich der Zollbehörde auf unser Boot zu verbessern, mussten wir PANGÄA ein Stück nach vorne treideln und ein an der Mole anwesender Polizist versicherte uns, permanent auf unser Schiff aufpassen zu wollen. Wir honorierten dieses Angebot mit einer Dose Bier.

Um es aber nach außen hin  nicht als Beamtenbestechung aussehen zu lassen, übergaben wir die Dose dem Beamten in einem unauffälligen Plastikbeutel. Der wiederum setzte sich mehrmals bedankend auf einen Poller, entnahm die gekühlte Dose und trank sie für jedermann sichtbar leer.

Nachdem der Behördengang beendet war, gönnten wir uns in der brütenden Hitze, gepaart mit massivem Gestank von den benachbarten Fischerbooten, eine kurze Rast.

Diese währte aber nicht lange und es stand ein Mann neben dem Boot, der uns unmissverständlich gestikulierend zu verstehen gab, dass wir auf die andere Seite der Mole verholen müssten, da an unserer Stelle ein Frachtschiff anlegen sollte. Gleichzeitig warf er auch schon unsere Festmacherleinen auf das Deck zurück und wir starteten etwas überhastet, um Platz zu machen und auf der anderen Seite der Mole wieder fest zu machen. PANGÄA wurde an einem verbogenen, aber sehr stabilen Schutzgitter einer Rohrleitung festgebunden. Kurze Zeit später schob sich auch schon ein kleines Frachtschiff, begleitet mit viel Aufregung und Geschrei, in die freigemachte Lücke.

Shengjin mit seinen etwa 3000 Einwohnern liegt am Fuße eines Berghanges. Auf einer Seite schmiegen sich schmucke Privathäuser in die Landschaft.

Auf der anderen Seite beherrschen neu errichtete Plattenhochbauten in farbenfrohen Pastellfarben vor einem langen Sandstrand die Szenerie.

Ein Erkundungsmarsch durch die Stadt und dem belebten Strand, an dem vorwiegend die einheimische Bevölkerung anzutreffen ist, endete in einem der vielen Strandlokale, wo wir das köstliche Tirana-Bier verkosteten und den hereinbrechenden Abend betrachteten.

Aber immer mit dem beruhigenden Gewissen, dass doch „unser“ Polizist über die allein gelassene PANGÄA wacht.

Am nächsten Morgen, bald nach dem  Frühstück, kam eine Reinigungstruppe angeführt von einer Frau, mit Besen, Schaufel und Schiebekarre an den Steg.

Diese stellte sich als „Susa“ vor und bat für sich und ihre männlichen Kollegen um Kaffee, den wir gerne für sie zubereiteten. Alsbald aber verließen wir die Anlegestelle und fuhren mit heftigem ablandigen Wind Richtung Durres.

Fazit Shengjin: Schmutzig, stinkig, laut und viele Gelsen – dafür aber freundlich, unkompliziert und billig.

 Von Norden kommend näherten wir uns der Stadt Durres mit Respektabstand zu den seichteren Stellen vor der Hafeneinfahrt. Auf Kanal 15 riefen wir „Durres Harbour Master“. Sogleich erfolgte die Frage: „See you the Yachtclub?“, in den wir uns einfinden sollten. Yachtclub war zwar keiner zu sehen, aber dafür lagen ein paar Segelboote an der Mole in unmittelbarer Nachbarschaft eines großen Ladekranes. Aus Ermangelung eines Liegeplatzes an der Mole legten wir im Päckchen an einen bereitwilligen Dänischen Segler an.

Mit PANGÄA waren jetzt fünf Boote in Durres festgemacht. Sogleich erfolgte aber die Ernüchterung in Form der erbosten Bootsbesitzer, die uns mitteilten, dass man hier 60,- Euro (sechzig) für das Anlegen im Hafen verrechnet. Und das an einer hohen, dem Hafenschwell ausgesetzten Mole, teilweise im Päckchen liegend ohne Strom, Wasser und Sanitäreinrichtung. Auch wir teilten dies dem Beamten mit, der sein Bedauern ausdrückend im Cockpit unseres Bootes die Quittung ausfüllte.

Durres ist mit seinen 150000 Einwohnern Albaniens zweitgrößte Stadt. Der weitläufige Hafen wurde in den letzten Jahren den Bedürfnissen der Neuzeit angepasst und ist sehr sauber gehalten. In das Hafengelände gelangt man nur über ein streng bewachtes Schleusensystem. Nach dem Passieren der Kontrolle befindet man sich alsbald auf einer breiten und sehr belebten Prachtstraße mit vielen Läden und Lokalen, deren Ende eine große Moschee überragt.

Nach Besichtigung der Bauwerke aus Römischer Ära beendeten wir den Tag an der Strandpromenade in einem Pizzalokal mit Sicht auf das Meer und untergehender Sonne.

Durres verließen wir sehr zeitig. Wir wollten an diesem Tag noch Vlore erreichen, das sich doch etwas mehr als 50 Seemeilen südwärts befindet. Zwischen diesen beiden Städten ist kaum ein geeigneter Ankerplatz für eine sichere Nacht zu finden.

Die Fahrt erfolgte mangels Wind unter Maschine und auch die von unserem Kurs weit entfernte Küstenlandschaft ist an dieser Stelle flach und eintönig. Mit dem letzten Tageslicht erreichten wir den Raum Vlore und ankerten im seichten Wasser in Nähe des Fischerhafens. Kaum angekommen, machte sich ekelerregender Geruch (Kläranlage?) bemerkbar. Da das Maß an üblen Gerüchen scheinbar doch noch nicht voll war, wehte ein paar Stunden später ein ablandiger Wind ätzende Rauchschwaden aus einer brennenden Mülldeponie in unsere Richtung. Es war noch finstere Nacht, als wir gequält vom Reizhusten der verbrannten Kunststoffe, den Anker lichteten und noch lange verfolgt vom Gestank unsere Reise weiter Richtung Süden fortsetzten. 

Porto Palermo nennt sich eine der wenigen Buchten im Süden Albaniens und war einst ein kleiner Militärhafen. Heute darf man in dieser Bucht, laut Aussage des Hafenbeamten in Durres, überall ankern oder festmachen. Da uns die Aussicht auf verrottendes Kriegsmaterial nicht besonders gefallen hat und auch die Anlegestelle für die Fischer beinahe belegt war, ankerten wir letztlich in Nähe einer Fischzucht im Südende der Bucht.

Aus heutiger Sicht ist Albanien jedenfalls eine Reise wert und die vielen Schauermärchen aus einstigen Tagen sind längst Vergangenheit. Albanien ist heute ein aufstrebendes Land mit freundlichen Menschen. Natürlich ist noch vieles zu tun bis die Infrastruktur gewohnten europäischen Standard erreicht. Aber gerade dieses Manko machte den Reiz unserer Reise aus und führte auch zu unserer Entscheidung, Albanien erneut zu besuchen. Wir haben den Schritt nicht bereut.

Mit Porto Palermo hatten wir auch schon das letzte geplante Reiseziel in Albanien erreicht und richteten in der Folge PANGÄA’s  Bug Richtung Korfu. 

   
   
   

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