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Landfall Helen Riff

Ein Bericht der SY Muggerl

Die Nacht war ruhig und kein Wind bis 2 Uhr morgens. Dann kam Wind auf und wir konnten den Kurs gerade noch anliegen.

Die Genua alleine hätte nicht genügt, um den Kurs zu halten. Der Strom hätte uns zu weit versetzt, also dieseln.

Man kann den auf engsten Raum konzentrierten Regen gut erkennen.Bis in die ersten Morgenstunden schaute es so aus, dass wir die Einfahrt ins Riff noch bei Tageslicht machen könnten. Dann wurde der Wind weniger, drehte auch noch mehr auf Ost. Kurz darauf kamen Squalls aus allen Richtungen, die den Wind endgültig zum Erliegen brachten. Wir passierten die Insel Tobi. Dort für die Nacht zu ankern, so zeige die Karte war unmöglich. Nach der Riffplatte Steilabhang auf 100 bis 200 Meter. Also weiter. Bald stand fest: Wir werden erst bei Dunkelheit die Einfahrt ins Riff erreichen.

Die Dünung aus Nordost ist über 2 Meter Höhe angewachsen, aber sie ist länger und damit flacher geworden. Das Muggerl klettert die eine Seite rauf und rutscht auf der anderen Seite wieder runter, ohne dass wir ins Rollen kommen. Es ist der Atem des Ozeans, wie wir ihn vom Indischen Ozean her kennen. Das ist durchaus erträglich. Kein unangenehmes Rollen, sondern ein sanftes Wiegen.

Nachts hat ein Tölpel auf unseren 5. Solarpanelen auf dem Dingidavit Platz genommen, sein Gefieder in Ordnung gebracht, ein Nickerchen gemacht und seine Verdauung abgeschlossen.  „No Problem“ meint Alev. „Ich mache es gleich sauber.“ Im Laufe des Tages kommen anscheinend von der Insel Tobi noch mehr Tölpel herüber und umkreisen in eleganten Flugmanövern das Muggerl.

Wir haben noch 20 Meilen bis zum Eingangs - Wegepunkt aber nur 3 Stunden 20 Minuten bis Sonnenuntergang.

Die Googlebilder, die ich auf den Rechner kopiert habe, sind von ausreichender Schärfe und eignen sich nach Umrechnung und Übertragung der Wegpunkte in die elektronische Seekarte hervorragend als Navigationshilfe, soweit es die Küstenkonturen betrifft. Darauf vertraue ich und riskiere das Einlaufen bei Nacht in das Riffgebiet. Die Riffkanäle sind in der Regel sehr tief. Sehr flaches Wasser stellt auch Google dar.

Wir stehen jetzt diese eine Meile vor der Einfahrt. Es ist kein Tageslicht mehr verfügbar. Nur der Mond bietet sich an. Er ist fast voll und zum Glück haben wir nur wenige Wölkchen. Also: kalkuliertes Risiko! Packen wirs. Von der Brandung beiderseits der Riffeinfahrt nichts zu sehen.

Muggerl im Helen RiffEine Viertelmeile noch, dann werden wir von unglaublichen Verwirbelungen erfasst. Wir haben fallendes Hochwasser, das heißt, das Wasser fließt durch den Kanal aufs Meer hinaus. Unmöglich, dass ich am Ruder stehend den richtigen Ansteuerungspunkt erwischen kann. Also Alev ans Ruder und ich gebe im "Blindflug" vom Computer aus die Kurskorrekturen an Alev nach oben durch.

Plötzlich kein wüstes Schaukeln mehr. (Aber auch kein Rums von einer Riffberührung) Hurra, wir haben den Kanal gefunden. Jetzt war's auch für Alev einfacher, den Kurs zu halten. Die Wirbel sind einem steten Strom von vorn gewichen. Alev sagte mir später, dass sie bei dem fast vollen Mond die Riffe sehen konnte. Also ein weiteres Sicherheits- und Bestätigungsmoment.

Wir sind schließlich gut angekommen, sind bei Nacht vorsichtig eingelaufen. Alles im sicheren Bereich. Nach der elektronischen Seekarte sind wir mehrmals über die Riffe gefahren.

Das wichtigste Navigationselement befindet sich nach wie vor zwischen den Ohren.

Geschafft. Die Anspannung ist weg. Das Muggerl liegt wie auf einem Ententeich.

Der Strom juckt mich überhaupt nicht mehr. Ein sanfter, weicher, einschmeichelnder Wind streichelt die Haut. Ich lasse mich auf dem Vorschiff auf den Rücken fallen, schaue hinauf zu den vom Mond beschienenen weißen Wolken, wie eine nach der anderen vor ihm vorbei zieht, der Orion nähert sich schon Muggerls Mastspitze. Die Welt ist in Ordnung. Solche Momente ersetzen sehr schnell das ganze nervige Geschaukel ohne Wind und lassen es schnell vergessen. Göttliche Ruhe in einer Traumnacht. In der Südsee. 

Nicht lange. Dann kommt die erste dunkle Wolke. Da packte ich meine sieben Sachen zusammen, denn, schwarze Wolke heißt mehr Wind. Mehr Wind heißt Regen.

Sonnenuntergang im Hellen RiffFrüher habe ich mir den warmen Regen auf die nackte Haut prasseln lassen, weil der ja meist nach 5 Minuten zu Ende ist.

Ja, früher!

Nach 5 Minuten ist der Zauber vorbei und der Mond bescheint nur noch weiße Wolken. Das Deck glitzert nass. Im Hintergrund: Die Brandung rollt wie ferner Donner auf das Außenriff. Völlige Einsamkeit. Ruhe, himmlische Ruhe.

Vom Beginn unserer Reise in Kudat bis hierher sind es 1170 Seemeilen.

Gesehen haben wir auf See eine einzige Yacht.

Auf Deck ist auf der ganzen Strecke kein Seewasser gekommen.

Wie viel hunderttausendmal das Muggerl von Backbord nach Steuerbord getorkelt ist, habe ich nicht erfasst. 

Also, was soll das ganze Theater. Es war doch gar nicht so schlimm.

Auf dem Schiff leben und in dieser Region bedeutet halt, dass der Ausschlag des Pendels von "unangenehm" nach "unvergesslich traumhaft" ungleich viel ausgeprägter ist, als er mir in München geboten würde. Aber das wollte ich ja.

Also Schluss mit der Meckerei über das blöde Geschaukel und dass wir vier Tage und drei Nächte rudergehen mussten, weil der Autopilot aus UK wieder gestreikt hat. Alev hat es spielend weggesteckt, da werde ich es als „gschtandens Mannsbild“ auch schaffen!

Fortsetzung hier

 

   
   
   

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