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Bürokratie der vier „Konservation Officer's“

Details

Ein Bericht der SY Muggerl

Ja die Bürokratie, die gibt es hier auch. Allerdings in weitaus anderer Form als im „übergeregelten Deutschland“ und anderen zivilisierten Ländern.

das AtollAls wir bei Nacht hier angekommen sind und eine sehr ruhige erholsame Nacht hinter uns hatten, widmeten wir uns ausgiebig unserem Frühstück in der ungewohnt ruhigen Umgebung.

Wir sind noch nicht ganz fertig, da nähert sich uns ein Boot von Norden her kommend. Als Flucht nach vorn winke ich den Ankömmlingen zu, da es sich nur um die von anderen Yachten angekündigten "bösen" Ranger handeln kann, die angeblich jede Yacht zum unverzüglichen Verlassen des Riffs auffordern. Allerdings lautet die letzte Information von der holländischen Yacht "Vaarwell" ganz anders. Mein Winken wird von den drei Insassen heftig, spontan und offensichtlich ebenso freundlich erwidert. Sie kommen längsseits und Alev bittet sie an Bord zu kommen. Ja, sie kommen und stellen sich als drei der vier „Konservation Officer“ vor. 

Sie sind sehr vorsichtig beim Anlegen.

Ein wenig verwundert sind sie, als wir ihnen sagen, dass wir in der Nacht eingelaufen sind. Sie eröffnen uns, dass wir hier nicht bleiben können, da es sich um ein Schutzgebiet handelt. Sie geleiten uns zu einem Ankerplatz bei der Insel. Dieses Geleiten wollte ich eigentlich nicht. Ich wollte alleine dort hinfahren. Ich will nicht gerne in Verbindlichkeiten "eingebettet" sein. Naja. Ich nicke, nicht einmal unfreundlich. Ihr Speedboot mit dem starken Außenborder hängen wir ans Muggerl, holen unseren Anker und ab geht die Post nach Norden. Die Abzweigung, die wir nehmen, ist die gleiche, die ich nach Google ausgewählt hatte. Es war vielleicht gut in der Nacht nicht weiter zu fahren, denn sie war sehr eng. Einer der Drei steht ständig am Bug, Alev am Ruder und ich ebenfalls am Bug. Auf dem Weg Richtung Insel passieren wir einige Riffköpfe, die aber gut sichtbar sind. Die Unterhaltung verläuft sehr freundlich. Alle drei, Max, der Boss neben mir am Bug, Mathilda seine Frau und David sind alle gut bis sehr gut genährt.

Südlich der Insel zeigen sie mir einen Ankerplatz mit Sandgrund.

Nördlich von uns ein paar Riffköpfe und südlich von uns ein langes Band von Korallen das bis an die Oberfläche reicht. Wir liegen recht ruhig.

Vielem von hier kann man mit einem vorangesetzten "kein" versehen.

Ankern im AtollKein Strom

Kein Schwell.

Keine Belästigung.

Keine Moskitos.

Keine Sandfliegen.

Keine sonstigen Fliegen.

Kein Motorlärm wie in Malaysia.

Kein Muezim.

Keine Schlammbrühe unterm Kiel.

Bürokratie ja. In Sachen Einklarieren schaut die so aus:

Auf einen Schmierzettel schreiben:

Schiffsname, Crewnamen, zugehörige Passnummern.

Formalitäten zu Ende!

Die Pässe will er gar nicht erst sehen. Wozu auch. Er hat ja die Nummern abgeschrieben.

Wie lange wollen wir bleiben, fragt er dann auch noch.

Ich: Weiß ich nicht. Unser Autopilot ist kaputt, der Sonnenschutzstreifen am Segel muss nachgenäht werden, Navigationsprogramm muss gerichtet werden und noch ein paar Kleinigkeiten.

ThomasWir sollen uns nur Zeit nehmen und erst einmal entspannen. Wir können bleiben so lange wir wollen. Jederzeit können wir auch an Land kommen und bei ihnen sitzen. Wir sind willkommen. Dort lernen wir auch Jamos den Vierten und jüngsten der Officer kennen. Er gegrüßt uns wie alte Bekannte.

Um jeglicher Verstimmung vorzubeugen, die vielleicht durch unser Fehlverhalten ausgelöst werden könnte, erklärte ich ihnen, dass wir Schnecken und Muscheln sammeln. Als Hobby. Ob es erlaubt ist, leere Gehäuse mitzunehmen.

Natürlich ist es erlaubt und Max, der Chef, erweiterte von sich aus, dass wir von jeder Art eine oder zwei lebende Schnecken nehmen dürften. Wir erklärten ihm aber, dass wir keine Lebenden sammeln.

Da ging Jamos um die Ecke und brachte uns eine wunderschöne völlig unversehrte Schnecke aus seiner Sammlung. Die einzige dieser Art, die er hat. Er schenkt sie uns. Diese freundliche Geste nach ein paar Minuten des Kennenlernens.

Also derartige "Bürokratie" haben wir noch in keinen der vielen Länder, die wir besucht haben, erlebt.

Wir wurden auch belehrt. Die Daten, die wir auf dem Schmierzettel vermerkt haben, gibt er am Nachmittag über Kurzwellenfunk an sein Office in Palau durch. Er versicherte uns, dass wir damit keineswegs illegal hier sind.

Drei Tage lang hatte Alev ihren Köder über Bord hängen. Nicht einmal von kleinen Fischen wurde er abgenagt. Hier fehlen Fische in essbarer Größe gänzlich.

Das ist aber kein Problem. Die Officer fragen uns am dritten Tag nach unserer Ankunft, ob wir mit ihnen fischen gehen wollen. Mit der Harpune. Ich sage ja, aber sage ihnen gleichzeitig, dass ich keine Harpune habe. Wir schnorcheln eben. Nach einer Weile setzen wir uns ab und fahren zurück zum Muggerl.

Nach Stunden kommen sie längsseits mit ein paar kümmerlichen Babyfischchen, die sie mit uns teilen wollen. Ich will sie nicht verletzen und nehme zwei an. Fortan gehen sie jeden 2. Tag zum Fischschießen und versorgen uns stets mit Fischen.

AlevNach vier Tagen hier kommt eine andere Yacht aus Australien rein. Auch die versorgen sie mit Fisch. Einmal haben David und Jamos nur drei Fische erwischt. Einen für uns, einen für die Australier und den kleinen für sich, obwohl sie vier Personen sind.

Das ist uns und vor allem Alev sehr peinlich. Sie lädt die Leute immer wieder ein an Bord zu kommen und serviert ihnen Kaffee und Kuchen, den sie auf der Insel nicht zubereiten können. Sie macht auch ihr allseits beliebtes Börek und bringt es auf die Insel.

Alles nur, um zu zeigen, dass wir keine Schmarotzer sind.

Das Börek ist so gut angekommen. Sie möchten das lernen. Also nimmt sie alle Zutaten, fährt an Land und weiht die Officer in Türkisches Börek Herstellung ein.

Einmal hat es fast eine Verstimmung gegeben.

NKochkursachdem David und Jamos mit ihrem Boot ihren Fisch abgeladen hatten, kommen auch Max und seine Mathilde vorbei.

Alev mit ihren bescheidenen Englischkenntnissen erzählte, dass David und Jamos das Börek so gut geschmeckt hat und sie sagte wörtlich: „David said "You have to come and teach us how to cook Börek"

Da wurde Max, der ja der "head" von den Vieren ist, fast böse. Er sagt: „You must not come. I don't like that my stuff force You to do something. You are free here. I will inform the two guys“.

Ich konnte die Sache wieder zurechtbiegen. Die beiden hatten ja auch nie gesagt: "You have to". Später habe ich Alev belehrt, was sie eigentlich gesagt hat.

Wenn sie zum Fischen gehen, sammeln sie immer Schnecken und Muscheln für mich. Meist sind sie von Einsiedlern bewohnt oder wir haben sie schon. Wenn sie dann fort sind, setze ich die Einsiedler wieder auf einem Riffkopf aus.

Diese Herzlichkeit ist sehr sehr beeindruckend.

Wie lange wird Selbiges noch vorherrschen? Es ist abzuwarten, bis einer jener Yachties hier aufkreuzt, von deren Kaliber es immer mehr gibt, und die sich daneben benehmen. Dann gehört diese paradiesische "Bürokratie" auch an diesem Ende der Welt der Vergangenheit an.

Heute war ein Polizeiboot hier und hat alle Daten, die man zum Anmelden braucht, aufgenommen. Als Grund für den Stop habe ich Reparatur des Herrn Autopiloten, Segel und Radar genannt. Ihr Hinweis: Wir müssten eigentlich zuerst in Palau einchecken. Zwei Möglichkeiten hat er angeboten: Sie schleppen uns nach Palau (3 Meter hohe Wellen, 300 Meilen weit) oder wir versprechen, nach der Reparatur selbst weiter zu fahren. Habe mich für Letzteres entschieden. Gekostet hat das Anmelden nichts.

Also die vielen Ge- und Verbote in Deutschland gehen mir überhaupt nicht ab.

Fortsetzung in Kürze

   
   
   

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