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Mord im Paradies

Ein Bericht der SY Muggerl vom 03.07.2013 08:18
Aus Rücksicht und zum Schutz der Crew der SY Muggerl bringen wir diesen Bericht erst nach deren Abreise von Ninigo.

Liebe Gaby, ich bin damit einverstanden, dass Du meinen Wissensstand veröffentlichst. Aber bitte mit dem Hinweis, dass ich nur das berichten kann, wie es mir die Insulaner geschildert haben. Es ist also aus zweiter Hand.

Der Dreifachmord scheint aufgeklärt zu sein.

Mittlerweile habe ich Bilder von den drei Ermordenten. Ich kann mich nicht erinnern etwas derart Entsetzliches gesehen zu haben.

Die Bilder wurden aus Gründen der Pietät stark verkleinert.

Es gab Drei Verdächtige

Gekommen ist die Polizei mit einer Spezialeinheit. Einen!! Monat nach der Tat. Als Erstes haben sie die DREI Verdächtigten verprügelt, dass diese aufgrund ihres Antlitzes nicht mehr erkannt werden konnten. Sie wurden sodann alle nach Lorengau transportiert. Bei dem dortigen "Verhör" gestand einer den Mord ein. Bei der Folter haben sie die Zunge herausgezogen und die Luftzufuhr abgestellt.

Die Folter als Mittel der Wahrheitsfindung ist m.E. zu recht umstritten, weil nur zu leicht übertrieben wird und das Ergebnis des "Verhörs" verfälscht wird, wie man in einem Land im Nahen Osten mehr als genug erlebt hat. Folter als legales Mittel von Regierungen auszuweisen, ist verwerflich. Das ist Mittelalter.

Die beiden zu Unrecht Verdächtigten können nicht mehr sprechen. Sie sitzen in Lorengau fest und warten auf eine Transportmöglichkeit zurück auf ihre Insel. Ein Lehrer ist auch darunter.

Der Mörder hat in seiner ruhmreichen Vergangenheit schon mehrere Vergewaltigungen begangen, bei denen er die Opfer mit der Machete gefügig gemacht hat. Aber das scheint hier unter Kavaliersdelikt zu fallen und wurde nicht verfolgt. Jetzt hat er übertrieben. Außerdem ist er der Sohn des Polizisten von der Insel Mal/Ninigo. Da drückt man schon mal ein Auge zu. Dieser Polizist wollte den kleinen Jungen, der unbeobachtet Zeuge des Dreifachmordes war, veranlassen einen anderen Namen zu nennen. Jetzt hat er seine Polizei Uniform ablegen "dürfen" und sie haben ihm gleich mit eingesammelt und ihm eine passendere Kleidung verpasst. Die Einheimischen hier meinen, es war für ihn wohl gut so, denn hier wäre er sicher nicht sehr alt geworden.

Südseeromantik?

Ich meine: Weit gefehlt!

Heute habe ich von einem Einheimischen erfahren, dass sich solche Dinge in der Vergangenheit mehrfach zugetragen haben. Dabei wurde einmal fast die gesamte Inselbevölkerung ausgerottet und soweit verdaubar verspeist. Ist kein Geflunker. Von Amtsseite her wurde es als "Aussterben der Inselbevölkerung" definiert. Das war 1940.

Solche Dinge werden erst erzählt, wenn man ein gewisses Vertrauensverhältnis hergestellt hat. Dem flüchtigen Yachtbesucher werden solche Dinge nicht bekannt.

Don't hurt anyone

Die Eingeborenen

So haben wir uns vor Monaten "gewundert", dass ein uns gut bekannter Eingeborener seinen verstorbenen Vater neben seinem Haus und nicht auf dem Friedhof zur letzten Ruhe gebettet hat. Jetzt ist es auch bis zu uns durchgesickert: Es gibt eine Gruppe in dem Dorf, die der Black Power anhängen. Die schließen einen Pakt mit dem Teufel und dafür gibt der Ihnen viel Geld. Das dürfen sie aber nicht auf die Bank bringen, sonst verschwindet es auf geheimnisvolle Weise. (So wie halt bei uns in Europa auch.) Im Zuge dieses Glaubens graben sie Leichenteile aus und verwenden deren Knochen für ihren Hokuspokus.

Das reicht sogar weit hinter das graue Mittelalter zurück in die finsterste Steinzeit. Oder?

Aus der gleichen Gruppe hat einer seinen Bruder vergiftet. Giftige Pflanzen gibt es deren genug hier. Poison Power! Ist aber straffrei gelaufen, weil man sonst viele Rachetaten befürchtet. Je mehr man von dem allem mitkriegt umso mehr fühlt man sich in die Zeiten der Geschichtenerzähler Jack Londons oder Stevensons versetzt. Das System läuft in Kleinformat weiter wie vor Jahrhunderten. Alle laufen "fromm" in die Kirche aber an die Black Power glauben sie alle und an die Wahrsager. Da hat sich eine weitere Geschichte zugetragen.

Da stellt es einem die Haare auf.

Ein aus Jayapura/Indonesien stammender Fischer ist verschollen. Alle Nachforschungen nach dem Auslegerboot blieben erfolglos. Jetzt hat der verzweifelte Vater sich an PNG Leute von Ninigo/Hermit gewandt und um Hilfe gebeten. Die Auslagen werden erstattet. Das hätte er nicht sagen dürfen. Sofort hat ein Vorbestrafter aus Hermit, der zur Zeit in Vanimo weilt seine Hilfe angeboten.

Und die schaut so aus: Ein (natürlich bezahlter) Mann von der Magic Power hat festgestellt, dass das Auslegerboot auf der Insel Kaniet gestrandet ist. Aber dazu muss ein Boot von Hermit aus hinfahren. Die Insel liegt gerade noch in erreichbarer Entfernung für solche schamlose Geldmacher aus Hermit. Die wollten sich sofort 10 Mann stark mit Taucherbrillen und Harpunen bewaffnet auf die Suche machen. Und zwar wollten sie eine heruntergekommene Yacht mit gebrochenem Großmast und einem Motor der ständig wegen mangelnder Kühlung abgeschaltet, muss auf die Reise gehen. Die "Yacht" hat ein noch schlimmer heruntergekommener Australier auf Hermit zurückgelassen.

Die Suche wurde erst gar nicht angetreten, weil wir ständig Starkwind hatten. Das haben sie dann doch nicht riskiert und der Anführer ist genau der, der mich ausgenützt hat. Dieses Auslegerboot kann niemals in Kaniet stranden, weil diese Insel weitab von der Wind- und Stromrichtung liegt. Aber wenn man eh keine Einkünfte hat, kann man dieses Boot schon mal auf Kaniet stranden lassen um Unkosten zu fehlendem Einkommen umgestalten.

Das ist Moral made in PNG unter Zuhilfenahme von Magic Power.
Ich komme mir vor wie im Panoptikum.

Foto: SY Muggerl

Meiner krankhaften Gutmütigkeit habe ich es zuzuschreiben, dass ich wieder einmal aufs Kreuz gelegt wurde. Von einem Schmarotzer. S.o. Ich sollte halt einfach meinem x-mal beschlossenen Vorsatz folgen und meine damische "Hilfsbereitschaft" erst einmal auf den Prüfstand stellen, bevor ich zur Tat schreite.

Zum Abschluss habe ich noch weitere Informationen, positiver und negativer Natur. Vor unserer Abreise haben wir die Insel Mal besucht, um uns von dem Thomas zu verabschieden. Er ist auch der Letzte, der die Drei vor der Greueltat noch lebend gesehen hat. Dort wurden wir von den Insulanern gebeten, allen Seglern zu versichern, dass es auf den Inseln eine solche Tat vorher nie gegeben hat. Und die Segler mögen ihnen glauben, dass sie als Besucher nichts zu befürchten haben.

Die PNG - Regierung hat angeblich die Konsequenz aus diesem schrecklichen Mord gezogen und hat für solche Fälle die Todesstrafe eingeführt. Angeblich auch die Todesstrafe für Vergewaltigung.

Mein Kommentar dazu:         Da schießen sie schon wieder über das Ziel hinaus.

Nicht selten haben Mädchen und Frauen aus Rache für verschmähte Zuneigung eine Vergewaltigung vorgelogen. Da scheint mir die Richtigkeit der Todesstrafe fragwürdig zu sein.

Foto: SY Muggerl

Wir haben Ninigo und PNG verlassen.

Ich bin mir sehr sicher, dass wir nicht mehr dort hin segeln. Der Abschied von Lemki und seiner lieben Familie ist uns wirklich schwergefallen. Mit ihren bescheidenen Mitteln haben sie für uns eine kleine Veranstaltung inszeniert, die schon unter die Haut ging. Sie haben beim Abschied geweint und auch Thomas auf Mal ist nicht minder liebenswert.

Liebe Grüße
Alev und Richard

   
   
   

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