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Kap Hoorn

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Ein Bericht der Seenomaden - SY Nomad

Übersichtskarte
Rio de Janeiro, Brasilien  21. – 26.11.2002

Rio mit der riesigen Christo StatueWas wir nicht wussten: Rio wird hier „Hio“ ausgesprochen. Üblicherweise stehen durchreisende Yachten in der Marina Gloria, eine Bucht weiter. Der Yachtclub (sprich Jatsch Club) ist der feinste und teuerste (20.000,-- US $ Aufnahmegebühr) seiner Art in Brasilien. Für Gäste sind die ersten beiden Tage gratis, danach bezahlt man pro Tag ca. 20,-- US $. Dafür werden wir zu jeder Tages- und Nachtzeit vom clubeigenen Taxiboot „Cocoroca“ (UKW 67) hin- und herchauffiert. Hier spricht niemand Englisch, deshalb gestaltet sich die Konversation etwas theatralisch: mit Körpersprache und Portugiesischwörterbuch. Wir werden auch nicht sofort ausgeraubt, als wir das Clubgebäude verlassen, um Geld zu wechseln. (1,-- US $ = 3,25 Rial).

Rio de JaneiroMit Clubanweisung fürs Einklarieren und Stadtplan bewaffnet stürzen wir uns am nächsten Morgen ins Getriebe der 12 Millionen Stadt. Taxis sind hier nicht teuer, und so erledigen wir die Behördengänge in nur 6 Stunden.

Die Crux dabei ist, die richtige Reihenfolge der Ämter einzuhalten. Immerhin lernen wir Rio ein wenig kennen, gönnen uns ein Mittagessen in der berühmten Bar Luiz und eine süße Nachspeise in der Confiteria Colombo. Zum Abrunden dieses Tages verbringen wir noch zwei Stunden in einem Internetcafe, plündern einen Supermarkt nach herrlichen Frischsachen und genehmigen uns im Yacht Club unter Palmen bei Sonnenuntergang unseren ersten richtigen Caipirinha, natürlich mit Blick auf den Zuckerhut, der sich abwechselnd hinter orangenen und rosa Wolken versteckt.

malerische SträndeMit der Seilbahn geht`s zeitig früh hinauf auf den Zuckerhut 400m über der Guanabara-Bucht gelegen. Erst von oben erkennt man die sagenhafte Lage dieser riesigen Stadt. Unser Blick schweift vom goldgelben Vermelha Strand zu unseren Füßen rüber zur Copacabana bis nach Ipanema. Hoch über der Häusermeer thront majestätisch die berühmte Christusstatue am Corcovado. Plötzlich, wir können es kaum glauben, entdecken wir bunte, sich bewegende Punkte in den dunklen Felswänden unter uns – Kletterer, das gibt es ja gar nicht. Wir lauern einer Seilschaft auf, schließen schnell Kontakt mit Carlo und Paulo und hängen tags darauf selber in den glühend heißen Felsen des Zuckerhuts. Bevor uns der Hitzschlag trifft, sitzen wir bereits zu Mittag am Vermelha Strand und schlürfen unsere geliebten, grünen Kokosnüsse. Wir haben diese Stadt und die Cariocas (Bewohner Rios) gleich ins Herz geschlossen. Lebensfreunde, Fröhlichkeit und Hilfsbereitschaft wirken ansteckend.

Rio de Janeiro, Brasilien nach Punta del Este, Uruguay / 26.11.-09.12.2002

Wir verlassen Rio mit neuer Crew und wenig Wind. So bleibt es auch die nächsten 400sm bis Porto Belo. Bei ruhiger See zeigt sich das Bordleben von seiner gemütlichen Seite, und die täglich frisch gefangene 1m Goldmakrele verhilft uns zu einer herrlichen Fischdiät. Nach vier Tagen ankern wir vor Porto Belo im Schutz einer kleinen, dschungelbewachsenen Insel mit herrlichem Sandstrand, der von riesigen runden Granitblöcken unterbrochen wird. Natürlich gibt es auch hier einen piekfeinen Yachtclub, zu dem die eleganten Bootseigner mit Privathubschrauber eingeflogen werden.

Wir kommen gerade recht zum heurigen Motorradtreffen, die Stadt ist voll mit in Leder gekleideten, wild aussehenden Rockertypen, heißen Motorrädern sowie Würstl- und Marktbuden. Je länger Antarctica (sprich: Antoktschika = brasilian. Biermarke,) und Caipirinha fließen, desto ausgefallener und waghalsiger werden die vorgeführten Motorradkunststücke. Bevor wir den ersten Crash mitansehen müssen, verlassen wir den Schauplatz lieber und treffen Peter Wiedemann, den ortsansässigen Stützpunktleiter des Trans Ocean Vereins, zum Abendessen. Peter hat ein Herz für Segler und verspricht, uns auf den nächsten rauen Etappen in den Süden per Funk zu begleiten und mit Wetterberichten zu versorgen.

weiter Richtung Süden

Bereits einen Tag später segeln wir wieder hinaus in den Südatlantik und zur Begrüßung erwischt uns gleich nach wenigen Stunden einer der gefürchteten „Pamperos“. Das ist in dieser Gegend die Rückseite einer Kaltfront mit Sturm aus Süd bis Südwest. Die „schiache“ Böenwalze ist zwar nicht zu übersehen, dennoch nähert sich das Unwetter schneller als erwartet. Gerade noch rechtzeitig packen wir unser riesiges Bimini weg, binden 2 Reffs ins Groß und rollen die Genau komplett ein. Wolf steht beim Mast, um das 3. Reff vorzubereiten, doch daraus wird nichts mehr. Tarek am Steuer versucht NOMAD vor dem Wind zu halten und signalisiert uns die Windspeed. Innerhalb von Sekunden zeigt er 3 Finger (30kn), 4 Finger (40kn), dann 5 Finger, schließlich weht es mit über 50kn. Der Sturm peitscht weiße Gischt übers Wasser und NOMAD beschleunigt auf 10kn. Nach kurzem Aufkreischen, die Flügelspitzen sind jetzt wohl im Überschall-Bereich, verstummt endlich unser Windgenerator, er hat sich automatisch abgeschaltet. Als der Sturm auf 40kn nachlässt, drehen wir bis zum Abend bei. Die nächsten Tage bleiben ruppig und unbeständig, der Wind dreht weiter im Uhrzeigersinn. Der Himmel zeigt sich grau und bedeckt, es wird merklich kühler, die Tropen liegen hinter uns und auf 30º Süd erblicken wir unseren ersten Albatros. Am 5. Tag auf See lassen wir die Küste Uruguays achteraus und segeln in das grünbraune Wasser der flachen, 200sm breiten La Plata Mündung. Bei aufbrisendem Starkwind aus Süd bolzen wir in einer finsteren Nacht gegen unglaublich steile Seen, die durch den ansteigenden Meeresboden, starke Strömungen und Mischung von Salz- mit Süßwasser verursacht werden.

Durch das starke Phosphoriszieren der See hinterlässt das Kielwasser eine hell leuchtende Spur und die brechenden Wellenkämme blinken wie unzählige Sterne. Dann geht nichts mehr - 140sm vor Mar del Plata drehen wir bei und hoffen auf eine Winddrehung. Doch Peters Abendwetterbericht verspricht leider keine Änderung in den nächsten 48 Stunden. So beschließen wir, umzukehren und ankern am 8. Dezember 2002 in Punta del Este, Uruguay, hinter dem Bojenfeld der Marina.

Das Einklarieren funktioniert blitzschnell und unbürokratisch, nach einer halben Stunde bummeln wir bereits durch die verwaisten Hochhausschluchten. Hafen, Stadt und die herrlichen Strände dieses einst mondänen Badeortes zeigen sich gespenstisch leer. Zwar ist jetzt Vorsaison, aber wahrscheinlich werden auch heuer die zahlungskräftigen Touristen aus Buenos Aires ausbleiben. Grund dafür ist die schlechte Wirtschaftslage in Argentinien. Was uns gleich auffällt: Maté ist das Nationalgetränk der Einheimischen. Vor allem bei den Frauen sieht es witzig aus, wenn beim Stadtbummel statt der Handtasche eine Thermoskanne (heißes Wasser zum Aufgießen des Tees) an der Schulter baumelt und sie den unvermeidlichen Matébecher mit silbernem Saugröhrchen in der Hand halten.

   
   
   

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